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Stoffwechselpferde im Stall: 10 entscheidende Faktoren für ein gesundes Management

  • Autorenbild: Lisa Rieger
    Lisa Rieger
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn die Diagnose EMS, Cushing (PPID) oder PSSM/MIM im Raum steht, beginnt für viele Pferdebesitzer eine Zeit der Unsicherheit. Als Physiotherapeutin für Pferde sehe ich täglich, dass die Therapie nicht erst beim Training oder der Medikamentengabe beginnt, sondern direkt bei der Haltung. Ein stoffwechselgerechtes Stallmanagement ist die Basis, um chronische Entzündungen und Folgeschäden wie Hufrehe zu vermeiden.


Hier sind die 10 wichtigsten Punkte, auf die es bei Stoffwechselkranken Pferden im Stall ankommt:


1. Radikales Zuckermanagement (Fütterung)

Die Kontrolle der nicht-strukturellen Kohlenhydrate (NSC) ist das Fundament. Heu sollte idealerweise einen Zuckergehalt von unter 10 % haben. Bei unsicherer Heuqualität hilft oft nur das Waschen (Wässern) des Heus für ca. 30–60 Minuten, um wasserlösliche Zucker auszuwaschen.


2. Das Ende der 24h-Weidehaltung

Zuckerreiches Weidegras ist für Stoffwechselpferde oft „Gift“. Besonders riskant sind kalte Nächte gefolgt von sonnigen Tagen (Fruktanalarm).


3. Bewegungsanreize durch Paddocktrails

Stoffwechselpferde brauchen kontinuierliche, langsame Bewegung, um die Insulinresistenz zu verbessern. Ein Paddocktrail (Rundlauf-System) zwingt die Pferde dazu, zwischen Wasser, Heu und Ruheplätzen weite Strecken zurückzulegen.


4. Unbefestigte Böden & Hufgesundheit

Ein unbefestigter oder abwechslungsreich strukturierter Boden (wie auf einem Trail) fördert die Propriozeption. Die unterschiedlichen Reize stärken den Hufmechanismus und die Durchblutung – entscheidend für Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte.


5. Fütterungszeiten & Pausenmanagement

Lange Fresspausen (über 4 Stunden) führen zu Stress und können den Stoffwechsel negativ beeinflussen. Engmaschige Heunetze oder zeitgesteuerte Raufen können einem Möglichkeit sein, manchmal löst dies aber noch mehr Stress aus, gerade in den oft verbreiteten "Diätgruppen". Hier sollte individuell auf das jeweilige Pferd ein Ernährungsplan erstellt werden. Das anbieten von geeigneten Knabberästen und Laub , kann eine Sinnvolle Ergänzung sein.


6. Mineralstoffversorgung statt „Müsli-Wahnsinn“

Verzichten Sie auf zuckerhaltiges Kraftfutter. Stoffwechselpferde benötigen jedoch ein hochwertiges, getreidefreies Mineralfutter, um Defizite (z.B. Zink, Magnesium) auszugleichen, die oft mit metabolischen Störungen einhergehen. Aber Achtung, hier ist es wichtig ein geeigneten Ernährungsplan individuell abgestimmt auf dein Pferde von einem Futterberater erstellen zu lassen.


7. Stressreduktion in der Herde

Stress schüttet Cortisol aus, was den Blutzuckerspiegel steigen lässt. Ein harmonisches Herdenmanagement und ausreichend Platzangebot sind für Stoffwechselpferde medizinisch relevant.


8. Gewichtskontrolle (Body Condition Score)

Lernen Sie, den Body Condition Score (BCS) Ihres Pferdes objektiv zu beurteilen. Speckdepots an Mähnenkamm oder Schweifansatz sind Alarmsignale für eine metabolische Schieflage.


9. Monitoring & Tierärztliche Begleitung

Regelmäßige Blutkontrollen (Insulin, ACTH) sind Pflicht. Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Besitzer, Tierarzt und Therapeut können Managementpläne dynamisch an den Zustand des Pferdes angepasst werden.


10. Professionelle Physiotherapie

Stoffwechselpferde neigen zu Myogelosen (Muskelverhärtungen) und Lymphstau. Gezielte manuelle Therapie löst Blockaden, fördert den Abtransport von Stoffwechselendprodukten und verbessert die Bewegungsfreude – was wiederum das Training erst ermöglicht.



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